Zwei! Tausend! Sechs!
Seppo Kyrvilä freut sich auf die Fußball-WMEs rückt näher. Und näher. Immer näher. Das magische Datum, das große, die Menschheit verbindende Fest. Jetzt müssen wir nur noch Weihnachten und Silvester überstehen, und dann ist WM-Jahr! Auch wenn mein Herz eher für Skispringen und Eishockey schlägt, lasse ich mich gerne anstecken von der Vorfreude. 2006 wird die Welt zu Gast sein in Berlin, nun ja, Teile davon. Gespannt bin ich auf die Auslosung. Welche Freunde des Rasensports werden in unsere Stadt kommen? Glutäugige Schönheiten aus dem Land des Weltmeisters? Stiernackige Trunkenbolde aus Britannien? Melancholische Lusitanier? Wer auch immer kommt - ich freue mich, meiner zweiten Heimat einen kleinen Dienst zu erweisen und halte die Daumen für die deutsche Mannschaft. Das fällt aus zweierlei Gründen leicht: Zum Einen hat sich Finnland nicht für das Turnier qualifizieren können und zum Anderen habe ich so fast nichts mit Hertha BSC zu tun. Denn der Fußballklub der Hauptstadt ist für mich, obwohl Völkerkundler und seit Jahren Bewohner dieser Stadt, nach wie vor ein großes Rätsel.
Das beginnt schon mit dem Namen: Wo sonst in der Welt gibt es ein Team, das heißt wie üblicherweise nur ältere Damen? SC Edeltraut Helsinki? Rosemariespor Ankara? Anneliese United? Undenkbar! Dem Berliner, zumindest dem aus dem ehemaligen Westteil, ist das jedoch egal - er macht aus dem peinlichen Namen einfach einen noch viel peinlicheren Schlachtruf: Ha! Ho! He! Hertha BSC! Das ist so schlicht, dass selbst Diedrich Diedrichsen hierein keinen Reduktionismus oder ähnlichen antiintellektualisierten Unfug interpretieren könnte. Und dann ist da noch Herthinho. Alle Fußballmaskottchen sind überflüssig und in der Regel von erschreckender Hässlichkeit. Dieser fettleibige Teddybär mit blau-weißer Haartracht und dem denkbar debilsten Gesichtsausdruck jedoch lässt selbst das Stuttgarter Plüschkrokodil und den VW-Wolf vergleichsweise sympathisch oder possierlich wirken.
Der Berliner indes liebt seinen Erstligaklub mit stoischer Hingabe. Selbst wenn kurz vor Saisonende meisterschaftsentscheidende Spitzenspiele auf dem Tableau stehen, nimmt man in meiner Nachbarschaft davon kaum Notiz und schaut in der Premiere-Gaststätte des Vertrauens stoisch das obligatorische Unentschieden von Hertha gegen eines der Bielefelds der Liga. Dass Hertha selbst einmal in Gefahr geriete, Meister zu werden, glaubt zum Glück niemand ernsthaft. Zwar reifen in den Boulevardblättern einschlägige Blütenträume, wenn einmal zwei Spiele in Folge glücklich gewonnen werden, aber im Grunde ist das nur Folklore und maximal ein Platz im vorderen Mittelfeld drin. Zur Fußball-WM wird Hertha glücklicherweise nur wenig beisteuern. Arne Friedrich (sprich: Früdrüsch), ein unauffälliger Defensivspieler, wird im Kader der Deutschen stehen, der ein oder andere vierschrötige Verteidiger wird mit der einen oder anderen fremden Nationalmannschaft nach der Vorrunde ausscheiden. Nichts wird von der Lust oder eben Unlust von Herthas launischem Superstar Marcelinho abhängen. Niemand wird "Ha! Ho! He!" brüllen! Herthinho verbringt den Sommerurlaub auf seinem Heimatplaneten.
Und das Endspiel im Olympiastadion wird mit Sicherheit nicht unentschieden ausgehen.