Der dreihundertsechsundsechzigste Tag
Februar 2008

Es geht mir nicht gut. Ich habe den ganzen Tag von diesen Würstchen gegessen. Kalt, ohne Senf, nichts dazu. Zuviel  Schwein. Mir ist langweilig. Ich gehe in die Küche, stülpe mir einen Blecheimer über den Kopf und brülle wie am Spieß. Eigentlich höre ich meine Stimme sehr gern, aber richtige Unterhaltung ist das nicht. Außerdem nervt es die Nachbarn, wie ich aus einem anonymen Brief weiß.
Ich bin mir einfach zuviel auf der Welt.
Ich starre an die Wand. Das stimmt nicht; ich starre auf den 29. Februar da auf dem Kalender. Da zündet die Idee! Ich mache es genau wie der Tag: ich bin nur alle vier Jahre da! Gute Sache. Ich bin also 13 Jahre alt, schwänze dauernd den Konfirmationsunterricht und habe dreimal die Woche Nasenbluten. Arbeiten brauche ich nicht - der volkswirtschaftliche Nutzen liegt bei Null, und die paar Kröten, die ich da brauche, kann ich mir zusammenpumpen. »Kriegst du in vier Jahren wieder«, sage ich immer. Natürlich habe ich am 29. Februar Geburtstag - wie sollte das anders gehen? - und wer so selten feiert, macht das gründlich. Ich würde mit Freunden Karten spielen, die politische Lage erörtern, nachdenken über Sinn und Unsinn alles weltlichen Treibens. Ein ruhiger Tag.
Andererseits weiß ich gar nicht, was so ein Tag soll. Bloß weil diese Experten damals nicht richtig zuende gerechnet haben. - Mein Gott, ich muss endlich mit diesen Würstchen aufhören, sonst lautet meine konkrete Forderung: Weg mit dem Schalttag!
Das ist natürlich Quatsch, aber besonders schwierig wäre es nicht. Würden wir beispielsweise den Erdradius um nur 2,184 Kilometer vergrößern, könnte der Schalttag ersatzlos entfallen. Winzige Änderungen am Drehimpuls der Erde hätten dieselbe Wirkung. Gut vorstellbar allerdings, dass derartige Experimente völlig unabsehbare Folgen hätten. Ich wollte doch nur den Schalttag abschaffen, und nicht gleich die ganze schöne Erde. Wo sonst sollte ich  denn alle vier Jahre meinen Geburtstag feiern?
 

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