Friedrich Schindler
Andere Texte aus Kiez und Kneipe
Ich habe unter dem Autorenkürzel "fs" vom 2005 bis 2008
für Kiez und Kneipe geschrieben.
Hier ein paar Texte, die mir gut gefallen:
| Schön grün im Hof
Juli 2008
»Schön ist was anderes«, denkt der Wanderer, wenn er
durch die Baerwaldstraße kommt. Doch Gemach! Manchmal lohnt ein kleiner
Blick in die Höfe, und was es da zu sehen gibt, ist oft erstaunlich.
Nehmen wir als Beispiel das Haus Nummer 54, richtig, vorn drin ist die
Kneipe »Zum Alten Kameraden« mit Wirtin Uschi Tesche, die nicht
nur seit über vier Jahrzehnten Bier ausschänkt - im Nebenberuf
ist sie eine begabte Amateur-Gartenarchitektin.
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| Winter am Wassertor
Januar 2008 Dieser Text erschien als Friedrich Schindler, allerdings nicht bei "Unsere Gegenwart" sondern im redaktionellen Teil Nein, das war kein Traum. Hab mich mehrmals gezwickt, deshalb weiß
ich das. Ich bin unterwegs mit dem Rad, es sind etwa 35 Grad unter Null
und ich umkreise den Wassertorplatz ohne Ziel, ohne Absicht. Die Kälte
brennt mir im Gesicht und die Handschuhe taugen nichts. Keine Ahnung,
warum ich sowas mache, ich bin nämlich mörderisch erkältet.
Heute Nacht komm ich vor Husten wieder nicht in den Schlaf.
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| Kleine Schritte und ein großer Spagat
Über die Städtepartnerschaft Kreuzberg - San Rafael del Sur in Nicaragua November 2007 Zu Besuch im Ballhaus Naunynstraße in Kreuzberg 36. Hier sitzt
der »Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Friedrichshain-Kreuzberg/San
Rafael del Sur«. Als im Juli 1979 die sandinistische Revolution in
Nicaragua siegte, waren viele der heutigen Aktivisten noch nicht
geboren, erzählt Erich Köpp, seit 18 Jahren im Verein dabei,
und freut sich über soviel politisches Engagement auch jüngerer
Leute. Der Verein hat die Aufgabe, die Städtepartnerschaft praktisch
umzusetzen und das tut er seit 1986, als die Kreuzberger Bezirksverordnetenversammlung
ihr mit den Stimmen von SPD und Alternativer Liste zustimmte und mit der
Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde besiegelte.
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| Kafka im Brauhaus
November 2007
Vielleicht wird eine gute Idee zur Institution: Das Bierfest Anfang
Oktober im Brauhaus Südstern an der Hasenheide war ein schöner
Erfolg. Wirt Helmut Kurschat hatte die Idee, die Freude am Getränk
zu verbinden mit Kultur, Spiel und Spaß. Selbstverständlich
gab es zu Beginn einen zünftigen Anstich und Freibier, beim Bierquiz
wurde so manches Rätsel um Hopfen und Malz gelöst, und selbstgeschriebene
Texte zum Bier wurden gelesen. Auch die kleine Brauerei konnte unter Führung
von Braumeister Thor-sten Schoppe besichtigt werden.
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| Schindlers Hirn wieder da?
Sensationeller Fund erschüttert die Fachwelt Mai 2006 Bei Ausgrabungen im südfinnischen Hyvinkää ist Ende April wahrscheinlich das seit längerem abgängige Gehirn des bekannten Kreuzberger Naturbeobachters Friedrich Schindler gefunden worden. Der bei der gerichtsmedizinischen Untersuchung in Helsinki anwesende Ethnologe und Hirnforscher Seppo Kyrvilä zeigte sich erstaunt über den guten Zustand des Funds und bemerkte vor der Presse: "Kaum zu glauben, dass Schindler so lange ohne ausgekommen ist. Wenn es denn sein Hirn ist..."
Erste Bilder des Funds in Finnland: Das Hirn des Genies? Schindler selbst wollte sich vor der Presse nicht äußern.
Erst spät nachts soll er zu Freunden gesagt haben: "Hirn - ich habe
ein Hirn!?"
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| Kreuzberger Nächte, also wirklich
Februar 2006 Eigentlich wollte ich zu einem Konzert. »Klasse Gitarren-Rock«
von »Gunnary« stand auf dem Programm und ich hatte mir extraleichte
Schuhe angezogen, um schön mit dem Fuß wippen zu können.
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| Knöpfe im Herzen
Zu Besuch in einem kleinen Paradies September 2005 Die Zossener Straße wird nach Norden hin immer leerer. Gehen wir
aber oben an der Bergmann los, pulsiert um uns das Leben, Sushi-Bar und
Bäcker, Blumen und Schuhe, Mode und Schmuck, das "Schmale Handtuch"
für den schnellen Durst und Ecke Gneisenau werden wir von Optiker
und Fotoladen gern bedient. Dann springt die Ampel auf grün und die
Straße ändert ihr Gesicht. Da ist das "Mai Thai" für Schnellesser
und gegenüber eine Spielhalle, wo früher die Reinigung war, damals
noch mit merkwürdig schöner schwarzweißgekachelter Fünfzigerjahrefassade.
Unser Auge schweift zur riesengroßen Heiligkreuz-Kirche ganz hinten
und kaum etwas anderes fesselt den Blick.
Paul und seine Knöpfe beeindrucken außerdem durch einen fast
unheimlichen Ordnungssinn - lange suchen kommt hier nicht vor und wohin
sollte das auch führen. In den Laden kommen Sammler und Knopfnarren,
Künstler und Könner, alte Freunde und einfach Leute, denen
Knopf fünf vom Mantel sprang und das macht keinen guten Eindruck.
Paul hat immer das passende Stück, denn knopflos bleibt hier kein
Mensch. - Was Sammler allerdings in den Laden treibt, ist schwer zu verstehen.
Das ist doch wie Wasser sammeln und auf den Ozean schauen.
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