Wort und SinnMeine geliebten Leserinnen und Leser sind es gewohnt, nicht mit den Banalitäten des realen Lebens gelangweilt zu werden.
Aber das geht wirklich zu weit.
Neulich habe ich Klopapier gekauft, das Gebinde zu acht Rollen, chlorfrei gebleichte Markenware, Sonderangebot in meinem kleinen Supermarkt am Bahnhof.
Auf der Verpackung spielt ein junger Hund mit Klopapier, die Vorderbeine im Sprung, das Ende der Rolle umspielt seinen Rücken und ein Lächeln die Schnauze. Das ist schon schlimm genug, aber schlimmer geht immer: Über dem Hund steht wie in einer Sprechblase blau gerandet: "Deinem Po zuliebe". Abgesehen davon, dass ich gegen meinen Willen nicht gern geduzt werde, sollen die doch mir überlassen, was ich alles tu oder lasse - und welchem Körperteil "zuliebe" erst recht.
Drittens steht auf der Packung zudem, dass die Ware "Super Vlaush" wäre. Dieses Wort gibt es nur in der Welt der dortigen Werbetextdichter, und ich wüsste gern, wie doll ich noch verarscht werden soll.
Natürlich bin ich dem Wort im Internet nachgegangen. Interessant, was es da für Test- und Erfahrungsberichte zu der Ware gibt. Nein, interessant ist vielmehr, was Menschen alles aufschreiben müssen. Was die wohl den Tag über getan haben, als es das Internet nicht gab.
Was mit Worten noch alles anzurichten ist, erlebte ich, wiederum am eigenen Leib, als ich in einem Kreuzberger Kaffeehaus saß und gezwungen war, Radio zu hören, weil der Barmann so gern Radio hört. Campino von den "Toten Hosen" und die österreichische Schauspielerin Birgit Minichmayr sangen "Auflösen" und darauf muss einer erstmal kommen, heißt er nun Campino oder nicht: "Wenn wir uns jetzt auflösen, sind wir mehr als wir jemals waren". Diese durch und durch schwachsinnige Lyrik wird gekrönt von der falschen Betonung des Wortes "auflösen" auf der mittleren Silbe. Übel.Ich habe auf den Rieselfeldern der Erkenntnis ein trockenes Plätzchen gefunden und warte nun ab.
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