Barrrnarrrneee!
August 2006

Ich bin ein mittelmäßiger Mensch, und mittelmäßige Menschen hassen Überraschungen und schlechte Vorbereitung. So habe ich es mir schon vor Jahren zur Gewohnheit gemacht, immer eine Bananenschale mitzuführen, falls ich einmal ausrutschen möchte. Passiert mir öfter: Ich gehe irgendwo spazieren, mein Kopf ist leer wie Trappatonis Flasche und die Sonne brüllt hernieder vom endlosen Firmament. Jetzt ausrutschen, denke ich da, das wäre nicht schlecht. Ich gehe also an meine Umhängetasche, mir schlägt der altvertraute Geruch einer nicht mehr ganz jungen Bananenschale entgegen und los geht's. Ich werfe die braungelbe Schale mit elegantem Schwung einige Meter voraus und schreite erhobenen Hauptes dahin, auf den lustigen Lippen habe ich: »... und trag ich auch munter den Mülleimer runter«. Von halbrechts hinten ruft ein Hochgeschwindigkeitsradler »Pass auf da, du Penner!« - Zu spät. Mein rechter Fuß setzt in voller Länge auf der ideal gefallenen Schale auf, rutscht weg und reißt mich mit. Ich lande auf dem Hintern nebst Steißbein und liege mehrere Sekunden reglos da vor Schmerz. Tränen nässen meine blassen Wangen, aber Jammern wäre sinnlos - ist ja keiner da. Ich rapple mich hoch, besinne mich weiterer Aufgaben und gehe meines Wegs, nachdem ich mir die Kleidung geordnet habe. Die Bananenschale lasse ich liegen, denn zweimal dieselbe bringt Unglück, und wo Unglück ist, sind Planung und Durchführung derartiger Stunts unmöglich.

Wie das alles angefangen hat? Vor ein paar Jahren saß ich auf einer Bank am Landwehrkanal und sah einem Kind beim Spielen zu (nein, ich trug keine dunkle Brille!) Es hatte auf Mamas Schoß eine Banane verzehrt und sich dann mit der Schale auf die Socken gemacht, sie vor sich her zu werfen, hinterherrennen, aufsammeln, wieder werfen und immer so weiter. Ich habe natürlich die ganze Zeit darauf gewartet, dass das Kind endlich mal drauf ausrutscht, aber dieser Fall trat nicht ein. Da sagte ich mir: Das kannst du besser! och am selben Tag habe ich mir eine Banane besorgt. Ja, so war das damals.
Freunde haben mir zu einem Spezialisten geraten, aber das mache ich nicht. Ich trag ja keinen Puffer mit mir herum, falls mir gerade danach ist, irgendwen niederzuschießen. Oder Säure, weil mir ein bestimmter van Gogh nicht gefällt.
Eigentlich kann ich Bananen nicht ausstehen. Ihr Geruch widert mich an und ihr Aussehen ist schlicht häßlich. Ihre Farbe ist unter jeder Kritik und ihr Geschmack eklig. Ich rutsche einfach gern auf der Schale aus. Ist doch nicht so schlimm, oder?


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