Bumm! Bumm! Bumm!
Seppo Kyrvilä bügelt schon mal seine Deutschlandflagge aufGeschafft. Aus. Vorbei. Das Jahr 2007 hat sich verabschiedet, wie es gekommen ist. Lebensgefährliche Sprengungen an jeder Ecke, der obligatorische kollektive Vollrausch. Doch warum so viel Getöse? 2007 war eine verflucht öde Veranstaltung. Der Sommer - sonst einer der ganz großen Pluspunkte in dieser ansonsten nur schwer erträglichen Stadt - war kühl und regnerisch. Hertha hat wie immer vor sich hingegurkt, Doktor Schulz dito. So musste ein unschuldiges weißes Tier im örtlichen Zoo alles rausreißen und die Blätter füllen. Diese Ödnis hätte man eigentlich vor Jahresfrist ahnen können. Denn für die Jahre mit ungeraden Zahlen gilt umgekehrt ein Lehrsatz für Beethoven-Symphonien: Bei letzteren, so sagt man, taugen nur jene mit ungeraden Nummern etwas. Die ungeraden Jahre hingegen bergen nur wenig Potenzial - es sei denn, der Ostblock bricht zusammen wie 1989 oder Finnland wird Eishockeyweltmeister, erstmalig und zuletzt im Jahre 1995. Doch das juckt in Deutschland natürlich niemanden. Hierzulande reisst nur der Männerfußball die Massen aus ihrer biergespeisten Lethargie. Klar - 2007 gab es Handball- wie Frauenfußballweltmeisterschaften, jeweils gewonnen von der Vertretung Deutschlands. Das wurde in Kreuzbergs Schänken auch wohlwollend zur Kenntnis genommen, doch der wahre Taumel blieb aus.
Den können wir alle, ob eingeboren oder zugereist, im kommenden Sommer mal wieder inszenieren. Zur Fußball-Europameisterschaft wird er wieder ans Tageslicht kommen, all der schwarz-rot-güldene Tand aus jenem Sommer der Liebe, da die Welt zu Gast war bei Freunden. Doch ich warne vor allzu intensiver Vorfreude: Eine Fanmeile vor dem Brandenburger Tor kann nicht dasselbe sein wie 2006 - jene Tausende von Besuchern aus aller Herren Länder, die die WM erst zum wahren Karneval der Kultur gemacht haben, werden eben im kommenden Sommer in Graz oder Klagenfurt, Zürich oder Basel trinken, tanzen und feiern. Wir bleiben allein. Dies übrigens umso mehr, weil sich die türkische Mannschaft für das Turnier qualifizieren konnte. Sollte sie die Vorrunde überstehen und auf die deutsche Auswahl treffen, dann werde ich die liebevoll aufgebügelte Flagge meines zweiten Heimatlandes im Schrank lassen, nur neutral gekleidet aus dem Haus gehen und jede größere Menschenansammlung im Stadtgebiet meiden. Denn bei allem Geböllere der letzten Tage weiß man schließlich nicht, wie viele Feuerwerkskörper Sportfreunde jeglicher Herkunft und Nationalität vielleicht doch noch zurückgelegt haben, für das völkerverbindende Großereignis des neuen Jahres.