Eierverweigerer, eisern!
April 2006

Weihnachten steckt mir noch in den Knochen, Fasching habe ich durchgetanzt und nun steht Ostern vor der Tür und ich habe noch kein einziges Ei bemalt. Genau genommen habe ich in meinem ganzen Leben noch kein einziges Ei bemalt, aber der Druck ist doch enorm. Was ich da alles machen müsste: Erstmal die ganzen Eier, dann die Spezialfarben und all die verschiedenen Pinsel. Höre ich da: »Ist doch kein Ding!« oder was in der Art?
Die Probleme fangen  schon an, bevor der erste Pinsel nass ist: Soll ich die Eier hartkochen oder ausblasen? Soll ich Batikfarben nehmen oder die anderen, naturbelassenen? Und welches Muster? Ich kann doch da nicht irgendwas draufmalen. Hab vorhin im Internet nachgesehen, was es so für Bücher gibt zum Thema. Ohne Flatrate wäre ich da verloren.
Also kein Buch, ich bemale sie einfach und basta, aber was mache ich mit den fertigen Eiern? In ein schönes, kuscheliges Nest mit grüner Holzwolle legen oder an einen frisch gesägten Birkenstrauch hängen? Wenn ich sie hänge, braucht sie niemand zu suchen. Mal abgesehen davon, dass ja niemand suchen kommt, fällt mir dazu das Wohnzimmer meiner Kindheit ein und ich kenne noch heute jede Ecke hinter dem Sofa oder oben auf dem scheußlichen Ding, in dem mein Alter irgendwas ganz anderes versteckt hielt, aber das hat hier nichts zu suchen. - Gefunden habe ich alles!
Also, versteckt wird nichts, aber warum eigentlich immer malen? Ich könnte doch auch eine komplizierte Ätztechnik anwenden oder mal wieder sechsfarbigen Kartoffeldruck üben oder ich könnte  gar Ostereierwärmer häkeln, so richtig schön in den ewigen Farben der Fruchtbarkeit, gelb, rot, weiß und grün, aber dann hätte ich das Problem weit über das Fest hinaus. Schlimmer als Topflappen. Irgendwann lassen alle so reich Beschenkten meine Ostereierwärmer im Regal verstauben und fragen sich, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe. Könnte ich ja gleich meine alte Kinderpost vorkramen und die Nacht durchstempeln.
Dabei fällt mir ein, wie ich vor ein paar Jahren mit meinen guten Jungs am Ostersamstag im Yorckschlösschen saß und einer die zwanglose Idee hatte, einen kleinen Eierlikör zu trinken. Als die Flasche leer und uns ein bisschen schlecht war, hat keiner mehr ans Eierbemalen gedacht und an sonst was auch nicht. Ich weiß noch genau, dass ich auf dem Weg nachhause versucht habe, mich mit meinem  Rad über den eigenen Haufen zu fahren, aber das war nichts gegen das, was ich dann daheim erlebt habe. Mir ist der leibhaftige Osterhase erschienen, riesengroß, mit einem Korb auf dem Rücken,  ganz und gar leer, und was der gewollt hat, weiß ich wirklich nicht mehr. Was habe ich getan?


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