Expeditionen ins Tierreich
Seppo Kyrvilä sieht nicht aus wie Hitler

gehen sie weiter. hier gibt es nichts zu sehen.
s. kyrvilä

Neulich war ich im Zoo. Das ist seltsam, denn Tiere interessieren mich nicht besonders.   Außerdem kommt es mir irgendwie unfair vor sie einzusperren und anzuglotzen, nur weil sie nicht besonders clever sind und sich einfangen lassen. Andererseits glotzen sie ja auch zurück und amüsieren sich vielleicht prächtig dabei.
Im Zoo nun bot sich mir die einmalige Gelegenheit, Knut vor Ort zu ignorieren. Das ist vielleicht auch nicht fair, denn für seinen Ruhm kann er ja nichts und vielleicht ist er ja, soweit man das als Eisbär sein kann, ein ganz famoser Bursche.
Vielleicht ist diese kalifornische Hotelerbin, die einem ständig ins Auge fällt, wenn man am frühen Abend fernsieht oder zu jeder beliebigen Zeit in fragwürdigen Presseerzeugnissen blättert, ja auch eine liebenswerte Person. Aber ich ignoriere sie ebenso vorsätzlich wie Knut. Man kann ja schließlich nicht über alle, die man nicht beachtet, vorher genau und gründlich recherchieren.
Zumindest strolchte ich also durch den Zoo und erfreute mich an possierlichen Opossums und putzigen Pinguinen. Besonders gut gefielen mir die majestätischen Dromedare, ich weiß auch nicht, wieso. Überhaupt waren mir alle Tiere, die ich sah, sehr sympathisch, weil jedes einzelne von ihnen eingesperrt ist und es daher sehr unwahrscheinlich ist, dass ich auf dem morgendlichen Weg zum M 41 in ihre Exkremente tappe.
Ich habe nichts gegen Hunde, auch wenn ich mich besser fühle, wenn keine in der Nähe sind, ich habe nur etwas gegen Leute, die in ungeeigneten Gegenden wie beispielsweise Kreuzberg welche halten und diese überall hinscheißen lassen. Insofern sind Katzen da schon besser, obwohl auch sie total nutzlos sind. Und Katzenfreunde sind auch nicht ohne. Ständig erzählen sie in epischer Breite von ihren kleinen Lieblingen, die eigentlich nichts können, was ich nicht auch könnte - Wohnungen demolieren, aufgetischte Speisen und Getränke zu sich nehmen und andere Leute ignorieren. Neuerdings veröffentlichen solche Menschen auch schlechtbelichtete digitale Fotoaufnahmen ihrer Katzen im weltweiten Datennetz. Aber das stört mich nicht weiter, das ist ja nichts, was man zur Kenntnis nehmen müsste. Kürzlich erzählte mir allerdings ein Bekannter von einer Internetseite, auf der Bilder gesammelt werden von Katzen, die aussehen wie Hitler. Ich kicherte. Als Finne darf ich das, da muss ich nicht erst Ralph Giordano fragen. Und als  ich mit Kichern fertig war, staunte ich. Denn wie Hitler kann ich beim besten Willen nicht aussehen. Aber wer will das auch schon?

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