Geben Sie Gas, Fahrer!
Seppo Kyrvilä ist unpünktlich und verwendet obendrein
zu viele unzulässige Satzzeichen

Ich bin verliebt. Das bringt natürlich jede Menge Scherereien mit sich. Denn die klassische Berliner Liebschaft ist eine Fernbeziehung. Die neue Frau meines Herzens wohnt auch ziemlich weit weg - in Schöneberg. Da ist interkulturelle Kompetenz gefragt. Das fällt mir mit meinem Migrationshintergrund nicht allzu schwer. Ich habe den Sprung von einem kleinen Dorf unweit des Polarkreises nach Berlin überstanden, ohne »psychisch zu werden« (Fritz S. aus H.).  Dagegen ist es ein Klacks, die Yorckbrücken zu passieren, ohne Schaden an Geist und Seele zu nehmen.  Man muss ja nicht zu jeder Mahlzeit Fleisch essen, Bionade ist lecker und erfrischend und welches Heim gewänne/gewönne nicht durch hölzerne Buddha-Statuetten und Feng-Shui?
Soweit also »allet tutti« (Berliner Volksmund, im Zweifelsfalle laut zu lesen, keinesfalls jedoch mit französischer Aussprache). Wäre da nicht die Sache mit der Pünktlichkeit: Die Kreuzberger Jahre haben da bei mir einen üblen Schlendrian einziehen lassen. Verabredungen werden hier in aller Regel sehr vage getroffen, und wer Wert auf feste Termine und deren Einhaltung legt, gilt als Spießer (wenn nicht sogar als zumindest potenzieller NPD-Wähler). Wer mit einer Schönebergerin anbandelt, muss sich da gewaltig umstellen.  Das ist für einen treuen BVG-Kunden wie mich nicht ohne schmerzliche Erkenntnisse zu machen. Wer sich auf Bus und U-Bahn verlässt, ist immer zu spät und riskiert außerhalb Kreuzbergs böse Schimpfe.
Also Taxi. Dürfte kein Problem sein. In den Kiezkneipen wimmelt es von Taxikutschern, die spätestens nach dem dritten Bier (dem noch etliche folgen) lauthals jammern und klagen, dass es viel zu viele Droschken und noch viel mehr Fahrer gäbe, man nichts mehr verdiene und überhaupt. Wie zum Hohn ist es mir dennoch in den letzten Tagen und Wochen, dem Ruf des Herzens folgend, nie gelungen, eine freie hellelfenbeinfarbene Limousine aus dem Verkehrsfluß zu winken. Daher mein Tip für alle Jammerfahrer: Raus aus der Kneipe, rauf auf den Bock. Dann stimmt die Kasse und meine Liebste muss nicht mehr motzen. Hätten wir doch alle was von.
Ich habe übrigens mal in einem Ratgeberbuch für angehende Journalisten gelesen, dass man möglichst wenig Dinge in Klammern und (oder »oder«) Anführungszeichen setzen sollte. Beschwerden richten Sie bitte an die Redaktion der »Kiez und Kneipe«. Machen Sie sich jedoch nicht die Mühe, mich am Telefon zu verlangen. Ich bin unterwegs nach Schöneberg (wenn ich denn ein Taxi kriege).

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