Finne ohne Raum
Seppo Kyrvilä wird langsam aber sicher klaustophobEs wird eng. Das fängt schon auf dieser Seite an. Der Chefredakteur legte mir nahe, zugunsten unseres Chefnihilisten auf wertvollen Zeilenplatz zu verzichten. Widerworte unerwünscht.
Noch während ich auf der Busfahrt ins Institut darüber nachgrübelte, ob ich nicht doch zur BZ oder gar zum Neuen Deutschland wechseln sollte, betrat eine Gruppe Halbwüchsiger das Oberdeck des Metronoms. Sie lärmten. Aus ihren Handys schepperten die Herren Bushido und Eminem um die Wette. Dazu wurde lauthals diskutiert, welche Pussy eine Schlampe sei. Derart akustisch bedrängt stieg ich hinab ins finstere Parterre und suchte mir ein enges Eckchen zwischen all den Kinderwagen. Am Ziel angekommen stieg ich erleichtert aus und fand mich in einer unüberschaubaren Menschenmenge wieder - weiße Kittel dicht an dicht. Was zunächst anmutete wie ein Jahrestreffen des Ku Klux Klan, war, wie ein Pappsarg mit der Aufschrift »Gesundheit« deutlich machte, die tägliche Großdemonstration gegen die Politik der Regierung. Nix wie weg.
Mein Fußweg führte mich bedauerlicherweise über den Potsdamer Platz. Dicht an dicht Touristen, um den dort in Stein und Glas geronnenen Größenwahn zu bestaunen.
Meine weitere Flucht endete, nach einer Fahrt in einer überfüllten S-Bahn, in einer Kneipe. Doch in Kreuzberg ist keine Kaschemme finster, übelriechend oder hygienisch fragwürdig, kein Wirt ungepflegt, rechtsradikal oder vierschrötig genug, um die Kundschaft so weit fernzuhalten, dass man unbehelligt am Tresen sitzen und seinen trüben Gedanken nachhängen könnte. Spätestens nach 0,2 Litern schraubt sich irgendein Betrunkener in den nach Einsamkeit sich sehnenden Alleintrinker und quallt ihn mit irgendwelchen banalen Geschichten voll. Meiner an jenem Tag hieß glaube ich Manne.
Berlin hat viel zu bieten. Aber keine artgerechten Haltungsbedingungen für einen Mann aus einem kleinen Dorf in der Nähe des Polarkreises.