Die Rache der Flaschen
September 2005

Ich blicke von meinem Fenster auf die Fürbringer und hasse die da unten und den mit der Mütze schon seit über zwanzig Jahren. Solange kommt der hier schon den Müll holen. Gut, es ist nicht seine Schuld, aber er ist doch Teil eines maroden und durch und durch korrupten Systems, das früher Müllabfuhr hieß und wie heute weiß ich nicht, Hauptsache zertifiziert nach isowieso und alles schön getrennt. Früher kamen sie nur dienstags und freitags, und die Jungs hatten es raus, einen Heidenlärm zu machen mit ihren Blechtonnen und das Knallen der Deckel hat ihnen sicher mehr Spaß gemacht als mir, aber zweimal die Woche war das okay und ich kriege meinen Lohn schließlich auch nicht von der Glücksspirale. - Dann haben die Profis da in der Chefetage gründlich gegrübelt und das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Die Tonnen kamen weg und an ihre Stelle traten Container auf Rädern, mit bequemem Rolldeckel oben, der für Kinder und andere Zwerge zwar unerreichbar war, aber die haben am Müll sowieso nichts verloren. Kurz darauf brachten sie die blauen Dinger für alte Zeitungen und noch zwei für Glas, weiß und grün oder braun. Montags Papier, mittwochs Flaschen. Zwei Ladetage mehr und doppelt soviel Krach - nein, Lärmemission, also das Zischen und Fauchen der Hydraulik, das Ballern der Tonnen, das hirnrindenreißende Klirren des Glases beim Schütten in den Bauch des Riesen, - doppelt soviel Dieselruß aus allen Rohren und die Straße dicht für Stunden. Kurz nachdem sie dann die gelbe Tonne in den Hof geschoben hatten und überall grüne Punkte auftauchten, traf ich eine Nachbarin am Müll, die gerade voll am trennen war mit ihren Pappkartons und Joghurtbechern. Nun hielt sie eine kaputte Glühbirne in der Hand, ratlos zwischen all den Tonnen und fragte mich: "Ist das nun Glas oder Elektroschrott?" Was soll man da sagen. - Ich erinnere mich nicht mehr, wann das Monopol fiel, aber an meine Freude, jetzt nicht nur Lastwagen der Stadtreinigung bei der Arbeit zu sehen sondern auch noch Alba, den vom Dualen System und noch ein paar Firmen, die damit doch Geld verdienen, sonst würden sie den Job nicht machen. Ist auch völlig klar, dass die alle Sturm klingeln, wenn sie an ihre Tonnen wollen; keine Verwaltung ist verrückt genug, an all die Firmen den Schlüssel auszuteilen, den meine Zweimaldiewochefreunde früher hatten. - Ganz am Ende war ich, als das braune Biomüll-Tönnchen kam. Hat das gestunken. Später hat mir einer erzählt, dass man das Ding nur mit Zeitungspapier ausschlagen müsste, dann ist es nicht so schlimm. Aber das Papier entgeht doch dann der blauen Tonne und überhaupt hab ich da schon im Logo gesessen und getrunken vor Verzweiflung und der Glaube hat gefehlt, dass all das Geld bringt und die Umwelt schützt. Ja sicher, ich trank aus Pfandflaschen.


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