Kein Fussi im Malle
September 2006

Ich habe soeben ein Gedicht für die große Weihnachtsausgabe der KuK fertiggestellt. Es ist ein schönes Beispiel abendländischer Dichtkunst. Man kann es sowohl als Zwei- als auch als Vierzeiler verwenden. Außerdem kann es durch bestimmte Variablen ohne weiteres auf acht bzw. 16 Zeilen erweitert werden. Das habe ich heute Morgen mal durchgespielt und ich war selten so beeindruckt von einem eigenen Werk.
Mir brennt es natürlich auf der Zunge, weil ich es schon den ganzen Tag halblaut aufsage und es kaum noch aus dem Kopf bekomme. Nein, ich werde es schön für mich behalten. Ich bin schon ganz gespannt auf die Dezembernummer.
Probleme ganz anderer Art haben Männer, die mit einem Auto vom Mehringdamm kommend an der Solmsstraße vorbei auf die Zossener zufahren. Ich habe das neulich vor dem Malheur sitzend beobachtet, als es noch so brütend heiß war und das hat das Problem natürlich verschärft.
Die Jungs kommen also in ihren fetten Dingern mit nicht unter 80 Sachen an der Solms vorbei und können auf das kurze Stück sehen, dass die Ampel an der Zossener auf Rot steht. Sie tun was? Genau, sie geben Gas. Die Gefahr von Auffahrunfällen besteht nicht, da alle das Gleiche tun. 20 Meter vor der roten Ampel gehen sie in die Bremse, ist das ein Quietschen und Kreischen. Sie stehen einen Sekundenbruchteil da, die Ampel springt um und dann ist kick-down bis aufs Blech und unter 120 Dezibel geht das nicht aus.
Es ist wahr, ich lebe in großer Armut und nervlicher Zerrüttung. Wenn mir die Jungs nur ein bisschen von ihrem Benzingeld abgeben würden, wären alle meine Probleme gelöst.
Alles so einfach.

Wieder andere Männer haben es auch nicht leicht. Es ist Sonntagnachmittag und ich habe guten Grund für ein frühes Bier. Also nochmal Malheur, denke ich, da brennt nichts an.
Schon beim Reinkommen spüre ich, dass was nicht stimmt. Einige junge Männer sitzen lustlos am Tresen und betrachten ihr Bier, andere blicken teilnahmslos aus dem Fenster, wieder andere gehen herum, den Kopf gesenkt und fummeln am Handy. Gesprochen wird kaum.
Die Tür geht auf und zu, Leute stecken den Kopf rein, schütteln ihn und gehen wieder. Alle etwas merkwürdig, denke ich. Dann bringt Barfrau Antonia mein Getränk und enthüllt das große Geheimnis: Es ist Bundesliga-Spieltag und der Bildschirm bleibt schwarz! Ganz schwarz!!!
Was habe ich für ein Glück, dass mir Fußball nichts gibt.

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