Lungenkrebs und Gefrierbrand
Seppo Kyrvilä steckt sich erstmal eine an

Eigentlich wollte ich mir schon lange das Rauchen abgewöhnen. Doch daraus wird nun nichts werden. In den letzten Jahren haben mich eher private Dinge an der Rauchentwöhnung gehindert - Prüfungsstress, Liebeskummer, Eishockey-WM etc.. Doch jetzt wird es höchst politisch. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als die Freiheit.
In einer Provinzhauptstadt in Westdeutschland haben sich einflussreiche Menschenbeglücker auf ein Rauchverbot geeinigt, das sich auch auf alle Gaststätten erstrecken soll. Kein Gastwirt wird mehr frei entscheiden können, ob in seiner Schankstätte geraucht werden darf, die entspannende Zigarette zum Feierabendbier wird zur bußgeldbewehrten Ordnungswidrigkeit.
Die positiven Auswirkungen auf die Volksgesundheit erscheinen übrigens fraglich. Denn wir Raucher werden weitaus gefährlicher leben als bislang. Denn neben allerlei krebsbegünstigenden Substanzen werden wir in Zukunft auch den Unbilden der Natur schutzlos ausgeliefert. Zwar waren die hinter uns liegenden Monate erfreulich mild, doch es wird in den nächsten Jahren auch wieder sibirische Winter geben. Vor der schützenden Wirtshaustür droht der Kältetod oder zumindest Gefrierbrand. Steifgefrorene Raucherleichen   werden als Nikotinötzis das  Stadtbild prägen.
Doch damit ist die Sache nicht zu Ende. Denn die Gesundheitstaliban sind eben Fanatiker. Und auch wenn der letzte Raucher entwöhnt oder erfroren ist, werden sie keine Ruhe geben. Es muss weiterbeglückt werden. Und was böte sich da besser an als der Kampf gegen das Bier - ein bekanntermaßen beliebtes wie schädliches Getränk.
Zunächst kommen Warnhinweise auf Flaschenetiketten: "Dieses Bier könnte sie besoffen machen!" oder "Wer Alkohol trinkt, setzt ein harmonisches Familienleben aufs Spiel!" Dann folgen kurz hintereinander massive Steuererhöhungen und eine  folgenlose Selbstverpflichtung des Gaststättenverbandes, weniger Bier und mehr Grünen Tee auszuschenken, bis schließlich die Blaukreuzler parlamentarische Mehrheiten organisieren und städtische Büttel die Zapfhähne amtlich versiegeln.
Das vorliegende Fachblatt wird seinen Namen in "Kiez und Teestube" ändern, die Rubrik "Am Tresen gehört wird" nicht mehr lustig sein und Friedrich Schindler nicht mehr schwermütig. Doch kein apokalyptisches Szenario ohne Hoffnung: Ich setze auf eine alte Kreuzberger Tugend, den Widerstandsgeist. Es müssen nicht mal Barrikaden brennen, es reicht  Schwarzer Krauser. Nikotinbullen raus aus Kreuzberg!

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