Gezündet
Montag, 21. September, fünf Uhr früh. Ich kann nicht mehr schlafen. Rechts nicht, links nicht, gar nicht. Ich starre an die dunkle Decke und höre betrunkenen Männern zu, die vergangene Freuden betrauern.
Wohl ein paar Minuten geschlafen, sicher ist das aber nicht. Halb sechs. Vielleicht sollte ich aufstehen, dann müsste ich nicht mehr liegen.
Nase! Ich springe hoch, denn es brennt! Des Menschen ältester Instinkt zündet in mir, ich renne in die Küche, weil wo sonst soll es brennen. Nichts. Ich habe kein Feuer.
Aber unten. Ich trabe ans Fenster und sehe ein Auto brennen. Schräg gegenüber, vor der Fürbringer 11, und es brennt erst nur der Reifen da hinten rechts, aber das Feuerchen kommt gut voran. Oder sind es beide? In der Dunkelheit kann ich nicht erkennen, ob es nur der BMW ist oder auch der Mercedes, der rechts daneben parkt, wie alle auf der Straßenseite mit dem Hinterteil zur Bordsteinkante. 5:45. Unten steht einer und fummelt am Handy. Gegenüber ruft eine Frau aus dem 1. Stock: "Feuerwehr kommt". Ich Bürger muss nichts tun - außer Fenster zu, denn es stinkt ganz böse.
Es brennt und brennt. Als der BMW hinten in hellen Flammen steht und auch der Mercedes nicht mehr zu retten ist, kommt die Feuerwehr. 6:09. Die haben es aus der Wache in der Wilmsstraße nicht so weit, aber viel zu tun, keine Frage. Zwei Kollegen steigen ab, und wie sich das bei brennenden Autos gehört, schauen sie erstmal nach, ob Menschen in Gefahr sind, also, ob einer drin sitzt. Oder hinten schläft. Inzwischen hat ein dritter Mann ein Stück Schlauch abgerollt und lässt Schaum kommen.
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Löschen ist die eine Sache, aber wenn ein Auto brennt, spritzt richtig Gift, und das wissen die Jungs.
Die Nacht ist noch warm, viele Fenster stehen offen und die Zeit ist ideal für Schlaf. Die Feuerwehrmänner gehen mit ihren Handlampen herum und schauen nach, wer schläft und wer weg ist. Sowas hab ich noch nicht gesehen, die lassen keine Wohnung aus. Die wollen nicht, dass einer im Vollrausch an einer Rauchvergiftung stirbt, und darum geht es hier. Sie klingeln sich von Tür zu Tür, auch bei mir kommt ein Mann mit lindgrünem Helm und fragt, wie es mir geht. Natürlich geht es mir gut. Und die schreiende Katze unten retten sie auch. Haben doch die Axt dabei für solche Türen.
Es wird Tag, seit die Feuerwehr da ist, und ich weiß nun, dass der BMW ein Waiblinger Kennzeichen hat und der Brand durch ein auf das Hinterrad gesetzten Grillanzünder entfacht wurde. Dachte, das wäre sogar in 36 und Friedrichshain schon wieder aus der Mode, aber die Freunde des feinsinnigen Aktionismus lassen nicht locker. Oder ist es Langeweile.
Es klingelt. 7:45. Ein Kriminalpolizist ist unterwegs, auch er von Tür zu Tür, und befragt Leute wie mich. Ich habe nichts gesehen, und wir scherzen kurz über Grillanzünder.
Die großen Aufregungen gehen vorüber, das kalte Wrack wird unter den todtraurigen Augen des Besitzers fortgeschafft, der Mercedes bleibt noch. Ein paar Spezialisten von der Polizei arbeiten mit riesigen Brecheisen am Asphalt, auf dem der BMW gestanden hat und auch sonst verhalten sie sich auffällig, denn sie gehen dauernd zwischen dem Klingelschild an der Hausnummer 10, ihrem Dienstfahrzeug und der kleinen Baustelle mit den Brecheisen hin und her.
Sehr merkwürdig. Was dieser Montag wohl noch alles bringt.Oktober 2009