Hiergeblieben"Er gehört zu mir wie mein Name an der Tür" will mir nicht aus dem Kopf, seit Kerstin und Bernd* gestern Abend ihren wöchentlichen Marianne-Rosenberg-Stunt im Backbord gegeben haben. Tanzen, knutschen, fummeln und so. - Was mir jetzt bitte gar nicht passieren darf ist grübeln darüber, ob oder gar inwiefern mein Name an der Tür zu mir gehört. Mir gehört nichtmal die beschissene Tür. Hinzu kommt, dass ich alles andere als textsicher bin, also immer nur diese eine Zeile; immer wieder. Nicht singen wäre besser. Nicht denken erst.
Ich stehe am Patentamt rum. Riesenklotz bis runter zur Alexandrinen. An der Bushaltestelle sitzt einer und wühlt in seinen Tüten. Vielleicht hat er Durst. Kann mir nicht passieren, ich habe eine eiskalte Flasche halbvoll mit "Immergut"-Kakao dabei. Die Halte ist für den 248-er Bus, der bis zum Alexanderplatz fährt. Wenn ich rechts am IG-Metall-Haus vorbeischaue, kann ich den Fernsehturm sehen, und der steht auf dem Alexanderplatz. Nun denke ich also doch - sollte dies die einzige Haltestelle auf der ganzen Welt sein, an der das Ziel zu sehen ist? Ein kühner Gedanke, finde ich.
Der Bus kommt. Keine Ahnung, was ich am Alex soll, aber heute fahre ich, wohin der Bus muss. Zum Glück bin ich nicht in der Gegenrichtung unterwegs, denn dann würde mich das Schicksal zum Bahnhof Südkreuz treiben. Wenn nicht gar zum Breitenbachplatz, je nachdem. So, also los, die Lindenstraße rauf und immer weiter.
Das mit der Musik im Kopf geht oft tagelang so. Manchmal ist es irgendein Schlager, das ist schon schlimm genug, aber einmal konnte ich "Ein' feste Burg ist unser Gott" nicht mehr loswerden, und das war kritisch. Das Ding ist von Luther, 1529 war das und es sollte gegen die anstürmenden Osmanen helfen. Manchmal ist singen gut für die Angst.
Der Bus biegt am Springer-Hochhaus nach rechts ab in die Oranienstraße. Marianne singt nicht mehr. Ich beobachte eine ältere Frau beim Blättern in religiöser Erbauungslektüre. Manchmal lächelt sie mild und nickt. Jesulein du Tausendschön.
Auf der Oranienstraße könnte ich in den M29-er umsteigen, der sich auf verwunschenen Wegen bis zum Hermannplatz durchschlägt. Ein anderes Mal. Mein 248-er biegt am Waldeckpark nach Norden ab, die Alte Jakob rauf. Oh Schreck, denke ich, nicht nach Mitte, nicht schon wieder raus aus Kreuzberg. Ich drücke den grünen Knopf und schaffe es gerade noch. Kommandantenstraße. Hier stand früher die berühmte Mauer, und da wäre ich aus Kreuzberg gar nicht rausgekommen.
Jedenfalls nicht aus Versehen.
Moment mal, die Ecke kenn ich doch. An die 30 Jahre her, da bin ich hier links die Kommandanten entlang, aber da waren zwei Mauern. Die eine sollte die Bundesdruckerei vor bösen Buben schützen, und die Funktion der anderen ist noch im Gespräch, war aber vielleicht irgendwie dieselbe oder so:
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*Namen geändert
Februar 2009