Kalter Döner schmeckt nicht gut
Seppo Kyrvilä hat eine Reise unternommen

Ich war neulich in Charlottenburg. Keine Angst, ich habe keine neue Freundin. Ich bin völlig grundlos dahingefahren, nicht einmal einen konkreten Anlass gab es. Ich wollte einfach nur mal woanders hin und hatte weder Zeit noch Geld für einen Urlaub. Und so dachte ich bei mir, dass all die Touristen, die nach Berlin kommen und nicht über die Bergmannstraße toben, ja auch irgendwas angucken müssen und fasste den Plan, Kreuzberg weit hinter mir zu lassen. Friedrich Schindler, dem ich von meinem Vorhaben erzählte, warnte mich eindrücklich. »Junge,« so sprach er, »schmeiß Dein Leben nicht einfach so weg!«
In der Tat, dieses Charlottenburg musste ein verdammt hartes Pflaster sein für einen, der lange nicht aus Kreuzberg herausgekommen ist. Nach Schindlers düsteren Worten begann ich, meine Reisepläne anzuzweifeln und hörte mich erst einmal um im Kiez. Und niemand sagte etwas Nettes über Charlottenburg: »Voll zum Kotzen da, nur Spießer am Start. Kein bisschen Hundescheiße auf den Bürgersteigen und die werfen da ihren Müll in Tonnen«, hörte ich, oder »Nimm Dir ja was zu Essen mit. Wenn Du da Hunger auf einen Döner bekommst, bist Du geliefert.«
Doch Neugierde und Abenteuerlust siegten. So packte ich drei oder vier Döner in meinen Rucksack (die Hundescheiße ließ ich allerdings, wo sie war) und bestieg die U 7. Ein bisschen fühlte ich mich wie Alexander von Humboldt.
Ich will gar nicht mit differenzierten Reiseimpressionen langweilen. - ich sah im Wesentlichen ein Barockschloss mit einem schönen Park und eine grauenhafte Nachkriegsfußgängerzone. Kurz: Es war wie Kassel in flach. Die Hundescheiße vermisste ich nicht wirklich, kalter Döner schmeckt nicht gut, aber wenigstens hatte ich die Kosten für eine Zugfahrkarte nach Nordhessen gespart.
Das Geld schrie danach, in Kreuzberg vertrunken zu werden. In touristischer Stimmung begab ich mich ausnahmsweise nicht in meine Stammkneipe, sondern suchte das ebenso legendäre wie pittoreske Schlawinchen auf. Zu meiner großen Verwunderung fand ich dort Schindler vor. Er wirkte nachdenklich, aber keineswegs unerfreut, mich zu sehen. Ich trank mit ihm auf meine gesunde Heimkehr gefühlte elf Hefeweizen. Die Fahrt nach Kassel wäre deutlich teurer gewesen, ich hatte also noch Geld über. Also schmiede ich nun neue Reisepläne. Vielleicht mal an den Alexanderplatz. Dr. Jungmann hat mir erzählt, da sähe es aus wie in Wladiwostok. Was ich da für Geld spare - soviel kann ja kein Mensch trinken.

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