Kuhfuß und die Mütze SchmidtDer Müßiggang ist ein gutes Mittel gegen so manche Torheit. Das gilt insbesondere für Männer - bei genau denen aber kommt dieser wirklich kluge Merksatz nicht an. Ich also los, ein paar Scheine eingesteckt und die flotte Mütze auf dem Kopf. Hinausgesprungen auf die Straße, das Wetter ist gut genug für einen Spaziergang, vielleicht ein paar Bilder knipsen und dann einen Halben oder zwei.
Ein weihnachtlicher Wind umspielt meinen Kopf, doch die Mütze hält ihn ab und was wäre ich ohne sie. Die Mütze ist ein sogenannter Eierbecher, also aus Wolle mit ohne Pudel. Sie muss früher eine Dienstmütze gewesen sein, denn vorn ist das Wort "Schmidt" eingestickt, allerdings in Großbuchstaben. Keine Ahnung, wo ich die her habe oder was das für eine Firma ist. Mützen wie diese haben die Eigenart, dass das Gesicht darunter leicht schwachsinnig aussieht. Ist einfach so und warum auch nicht.
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Ich bin mental etwas geschwächt, ist mir doch beim zweiten Morgenkaffee die Milch übergekocht. Das muss ich erst verarbeiten, sonst macht das alles keinen Spaß. Und wohin mit all dem jugendlichen Schwung und der Lust auf ein wenig Unfug?
Die Gneisenaustraße hat geschlossen. Das Backbord macht Ferien bis ins nächste Jahr, der Tabakladen nebenan ist schon länger dicht und bald muss ich zum Tabakkauf auf die schreckliche Zossener. Seit Frau Schneider bei mir auf der Ecke zu hat, ist alles nur noch schlimmer geworden - und das ist nun schon über ein Jahr her. Damals konnte ich da nicht nur meinen Tabak kaufen, sondern auch einen BVG-Fahrschein, wenn ich mal das Rad stehen lassen musste - also bei Glatteis oder Plattfuß. Heute bin ich gezwungen, stets Kleingeld für den Automaten im Bahnhof parat zu haben, denn ich habe bisher nicht herausfinden können, wie herum eine Banknote in den Schlitz einzuführen ist. Früher war alles leichter, aber da war ich jünger und Frau Schneider noch da.
Ich könnte ins Backbord einbrechen und mich in Ruhe an den Tresen setzen. Keine Musik, kein Gerede. Nur habe ich kein Werkzeug dabei, nicht mal mein altes Schweizermesser - geschweige denn den hübschen kleinen Kuhfuß, der für den Job genau richtig wäre. Und Bier selbst eingießen macht keinen Spaß, wenn ich es recht bedenke. Also einfach wieder nachhause und den Müßiggang der Torheit vorziehen? Völlig legales Zweistundennickerchen statt schweren Bruch in Tateinheit mit Mundraub?
Die Sonne geht unter. Seit ein paar Tagen werden die Nächte wieder kürzer, aber das kann man nur wissen, zu sehen ist es noch nicht. Zu Weihnachten an den Frühling denken ist nicht nötig. Am U-Bahnhof kommen dreißig Leute auf einmal die Treppe rauf, schwer bepackt und fein gemacht für die schöne Bescherung. Die Großen sehen aus, als würde die gute Laune nach dem dritten Punsch kommen, die Kleinen freuen sich jetzt schon.
Ich gehe die Mittenwalder rauf Richtung Blücher. Mal ins Logo schauen, vielleicht läuft der Fernseher.Dezember 2008