Tod im Llano Estacado
Juli 2007there is a crack
in everything
that‘s how
the light gets in
l. cohenIch habe endlich meinen ersten Roman begonnen. Es wird ein Western und den Anfang hab ich schon: »Meine Freunde nannten mich Don Bastardo, und wie meine Feinde mich nannten, spielt keine Rolle mehr. Ich bin unten in Baja California für jeden Pferdedieb geritten, der meine Gage zahlen konnte.« Das ist nicht schlecht für einen Anfang, ich trete ans Fenster und blicke die Straße Richtung Osten hinunter. Der Asphalt sieht klebrig aus von der Hitze des Tages, und mir wird es warm unter dem Stetson auf dem Kopf. Ich trete nun an den Stiefelknecht und versuche, die schweren Dinger loszuwerden, schweineteuer, spanisches Leder, aber das ist nicht leicht mit den Sporen im Weg.
Kann ich ja von Glück sagen, dass ich keinen Porno schreibe, da hätte ich jetzt einen ganz anderen Kopf voll. Die Flasche mit dem guten Kentucky Straight ist erst halb leer, das ist okay für einen so starken Anfang. Ich löse den Riemen am Oberschenkel und lasse das Holster mit dem schweren .45 Colt Buntline Special zu Boden poltern. Da fällt mir die Geschichte eines jungen Kollegen ein, Schriftsetzerlehrling im zweiten Jahr, der vor ungefähr dreißig Jahren gelangweilt auf dem Bette lag und mit einem Luftgewehr hantierte. Er zielte auf seinen großen Zeh, drückte ab - und traf. Noch Jahre später, der Zeh war längst amputiert, behauptete er, vollkommen sicher gewesen zu sein, dass das Ding nicht geladen war. Es irrt der Mensch, solang er auf Erden lustwandelt. Der junge Mann hatte übrigens ein Glasauge, aber das ist eine andere Geschichte. - richtig, Pfeil und Bogen, und das war Jahre vor dem Stunt mit der langen Waffe.
Ich denke über den Titel meines Romans nach. Tod im Llano Estacado wäre gut oder Wölfe in der Todesschlucht. Egal. Ich brauche erstmal das Ende, der Rest schreibt sich dann von selbst.
Das Lasso über meiner Schulter lässt mich ganz schief gehen, was komisch aussieht, weil ich tagelang diesen o-beinigen Gang geübt habe und nun werde ich ihn nicht wieder los.
Und dann wird endlich geduscht; ich wollte ja beim Schreiben unbedingt riechen wie einer, der eine ganze Woche durch die Wüste geritten ist.