Multikulti, Kuschelmuschel
Finnische Ansichten zum Karneval der Kulturen / von Seppo Kyrvilä

Kreuzberg feiert seinen Karneval. Am Pfingstwochenende haben sich alle ganz, ganz lieb. Da tanzt selbst der spröde Isländer mit der schönen Koreanerin auf der Gneisenaustraße, da schiebt sich der schwäbische Exilant auf dem Blücherplatz botokudische Teigtaschen in den Schlund, um eine gute Grundlage für armenischen Wein, bolivianisches Bier und nepalesischen Fusel zu schaffen.
Das Pfingstwochenende ist erfüllt von einem großen Miteinander - Multikulti ist toll. Bongoklopfen nach Negerart ist unglaublich locker, fremdländisches Essen und Trinken durchaus lecker und, wenn alles günstig läuft, ist am Ende vielleicht noch ein spontaner Geschlechtsakt mit der geschmeidigen Nigerianerin oder dem glutäugigen Chilenen drin.
Doch was bringt der ganze Spaß "über den Tag hinaus" (W. Brandt)? Hält der autochthone Berliner den Geldbeutel im Getümmel weniger fest, wenn der gemeine Südländer naht? Schließen juvenile Türken in Neukölln mit ihren arabischen Altersgenossen immerwährende Blutsbrüderschaft? Nein, der ewige Frieden bricht auch in diesem Jahr nicht aus. Das Zusammenleben vieler Menschen aus unterschiedlichen Ländern, Kontinenten und Kulturen wird auch nach diesem KdK nicht ohne Ärger und Reibereien ablaufen.
Ist der Karneval der Kulturen also vergebliche Liebesmüh? Nicht ganz. Zwar gibt es den Volkshochschulkurs "Bauchtanz II"aus Pankow nur allzu gern der Illusion hin, orientalisches Flair zu verströmen, zwar sonnen sich Sozialpädagogikstudenten aus Löten an der Wumme im Glanz der wohlfeilen antirassistischen Gesinnung. Dennoch geht vom Karneval der Kulturen ein erfreuliches Signal aus. Wir sind zwar unterschiedlich, aber einmal im Jahr können wir damit nicht nur irgendwie leben, wir genießen es sogar.

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