Elkchen Speck und der Schwarzwaldbub
November 2006

Neulich war ich in Bösingen. Das ist ein schwäbisches 1300-Seelen-Dorf am Rand des Schwarzwalds, und einen Grund hatte ich auch: Elkchen Speck schloss nach fast acht Jahren am Tresen ihre »Bierbar Sonne« mit einem kleinen Fest. Ich war also zu einem Gelage angereist.
Und da der Mensch nicht dauernd trinken kann, wollten Elkchen Speck und ich  am Nachmittag eine kleine Brauereibesichtigung machen. Dazu sind wir richtig in den Schwarzwald gefahren, in einen Ort namens Hornberg, berühmt durch das gleichnamige Schießen, von dem bis heute niemand weiß, wie es ausgegangen ist außer gar nicht. Es ranken sich mehrere blumige Legenden um den Ursprung des Sprichworts, und sogar der große Friedrich Schiller schrieb in »Die Räuber«: Da ging's aus wie's Schießen zu Hornberg und mussten abziehen mit langer Nase.
Heute macht das Städtchen einen ruhigen Eindruck, keinerlei Pulverdampf liegt in der Luft, die Turmuhr schlägt gelassen zur vollen Stunde, und der Samstagnachmittag liegt so still da, dass es eigentlich kein Wunder ist, dass die Brauerei geschlossen hat, die wir doch besichtigen wollten. Zum Glück ist sie von außen auch ganz nett anzusehen und bald machen wir uns auf den Weg zurück nach Bösingen, vorbei an fröhlich winkenden Landmenschen, die mit Sense oder Besen in der Hand Schwaben alle Ehre machen. Die Sonne stand schon tief über den herbstlichen Hängen und ließ das sterbende Laub leuchten in welker Pracht.
Als das letzte Licht des Tages längst gegangen war, kam der Abschied gut in Gang; die »Sonne« füllte sich bis auf den letzten Platz und los ging's: Die Youngster-Band »Empty Battery« trat auf zu ihrem ersten Live Act, und das hat ganz schön geknallt. Klassiker von Black Sabbath, Deep Purple und Metallica dröhnten den Laden voll, manch Älterer schüttelte entsetzt den Kopf, doch die Jugend riss sich gegenseitig um bei Pogo und Cola-Weizen.
Und was wäre der letzte Abend ohne einen tränenreichen Abschied von all jenen, die über die Jahre die »Sonne« zum Stammplatz hatten. Der Baseball-Verein, der VfB Bösingen mit seinen beiden Fußball-Abteilungen, der Binokel-Damenclub, der Bierlieferant Max Egon und seine Gehilfin Michaela und gar nicht zuletzt die wunderbare Riege der Barfrauen, sie alle hatten Blumen und Wimpel und Urkunden und Gutscheine und Gruppenbilder mit Damen, und Elkchen Speck stand da vom Donner gerührt und all den lieben Freunden und Tränen in den Augen. Eine tolle, letzte Sonnennacht, und Elkchen Speck hat jetzt andere Pläne, das »Too Dark« im fernen Kreuzberg eine Partnerkneipe weniger, und um die paar albernen Störenfriede habe ich mich rührend gekümmert: »... und mussten abziehen mit langer Nase«.

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