In der TrommelIch sitze im Schneidersitz vor meiner Waschmaschine. Der Programmpunkt heißt "Spülen" und ich beobachte das ganz genau. Die Trommel ist zu einem Drittel mit Wasser gefüllt, sie dreht mal in diese, dann in jene Richtung und die Wäsche dreht sich mit. Sie wird ordnungsgemäß gespült.
Fünfzehn Minuten später sind meine Beine eingeschlafen und ich habe jede Hoffnung fahren lassen, dass ich mich jemals wieder erheben könnte. Zum Glück hatte ich mir eine Flasche Bier aufgemacht, bevor ich mich auf meinem Fensterplatz niederließ. Die Leute werden bei "Schneidersitz" doch nicht an die Biermarke gedacht haben. Ich massiere mir die Fußgelenke und kommentiere meine Beobachtungen durch scheinbar witzige Bemerkungen. Ich führe also Selbstgespräche.
Die Maschine ist fertig mit Spülen und bereitet sich keuchend auf den Schleudergang vor. Sie ist mindestens zwanzig Jahre alt, unerträglich laut und träge zugleich.
"Nun mach schon!" rufe ich nervös, als die Steuerung unentschlossen klickt. Und nochmal. Dann heult der Motor auf, der Keilriemen flattert, die Maschine kommt in Fahrt, die Wäsche wird zentrifugal gegen die Trommelwand gepresst, nun ist kein Halten mehr. "Du kannst es!" brülle ich erregt. Der Küchenboden zittert, die Gläser klirren im Schrank und ich muss die Flasche stützen. Meine Nase ruht sicher auf dem warmen Glas des Bullauges, als ich meinen Lieblingsschlüpfer in feuchtem Grün ganz kurz erblicke. Das Rütteln schadet meinem Hirn, ich weiß, aber das hilft nichts. Einmal die Woche muss sein.
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Es klickt kalt, und ich weiß seit Jahren, dass nun der halbe Schleudergang rum ist. Da ist keine Zeit für Zipperlein, aufstehen muss ich, denn gleich wird die Wäsche erhängt, haha! Gesagt, getan. Ich erhebe mich unter Schmerzen, aber ich stehe. Ich suche die rote Schüssel, in der ich üblicherweise die Wäsche zum Trockenständer transportiere. "Wo bist du Schwein" frage ich in den Raum - keine Antwort, wieder nicht.
Fertig. Die Trommel wird robust gebremst, und nun kommt die längste Minute der Welt. Irgendein Spezialist für technische Gerätesicherheit oder was in der Art hatte vor Jahrzehnten die Idee, nach Beendigung des Waschvorgangs 60 Sekunden verstreichen zu lassen, bevor die Tür geöffnet werden kann. Wozu nur.
"Jetzt aber", rufe ich, als die Zeit rum ist. Die Schüssel habe ich unter einem der herumstehenden Tische gefunden und befülle sie lustlos mit dem Trommelinhalt. Eigentlich schade, dass der Herrgott nach dem Vergnügen die Arbeit geschaffen hat.Dezember 2008