Wie lange bauen die noch an der verdammten U-Bahn rum?
Seppo Kyrvilä wundert sich unter anderem über einen gelben KringelIch bin genervt. Aber das ist nicht so schlimm, denn die anderen sind es auch, viele zumindest. Dabei könnte alles so schön und vor allem einfach sein. Während draußen die von der Masochisteninnung herbeigelaberte Sommerhitze dröhnt, hockt man in einer tröstlich schattigen Gastwirtschaft, lässt das gute isotonische Erfrischungsgetränk seine Wirkung entfalten und schaut versonnen den in Eigenleistung hervorgestoßenen Rauchkringeln nach. Schöne Sache das, leider mittlerweile illegal.
»Geh doch raus, wenn Du rauchen willst!« sagt eine innere Stimme, doch die anderen widersprechen vehement - und sie haben recht. Wenn es draußen nicht heiß ist, schifft es in diesem Jahr, und dann ist da ja noch der furchteinflößende alte Knacker mit diesem bellenden Husten, der mürrisch um die Blocks streift, bis er wieder da ist, wo er angefangen hat. Außerdem müsste man dann das Trinken unterbrechen, und das wäre nicht gut. Natürlich könnte ich tun, was Teile der Regierung von mir wollen, und einfach nicht mehr rauchen Aber das möchte ich nicht, denn ich rauche ziemlich gerne. Außerdem bin ich ziemlich stur. Ob, und wenn ja, wann ich mir das Rauchen abgewöhne, entscheide immer noch ich, und nicht irgendein Dezernent vom Senat oder Bezirks-amt oder von was auch immer. So blieben denn alle bisherigen Entwöhnungsansätze auch allenfalls achtelherzig. Hat hoffentlich keiner gesehen.
Was soll ich dann noch in der Kneipe? Nicht rauchen kann ich anderswo auch. Zum Beispiel schon immer in der U-Bahn. Doch die macht auch keinen Spaß. Die gute alte Eins ist für Monate dicht und auf den anderen Linien muss man höllisch aufpassen, sonst ist man ganz schnell raus aus Kreuzberg, und was soll man da? Gut, in Schöneberg (Orte des Schreckens, die wir niemals vergessen dürfen) wohnt immerhin die Liebste, aber sonst ist in der Kreuzberger Umgebung das blanke Grauen zu Hause. Wer das nicht glaubt, der soll man ganz schnell zum U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße fahren und da am Discount-Imbiss eine Frikadelle verdrücken.
Außerdem verstören mich die BVG-Stadtpläne fern der Heimat. Die sehen auf den ersten Blick genauso aus wie bei uns, aber irgendetwas stimmt nicht mit ihnen. Ich habe eine Weile gebraucht, um herauszufinden, was es ist: Der gelbe Kringel ist da immer woanders, und nie dort, wo man ihn eigentlich vermutet. Aber auch das Kreuzberger Stadtbild verwundet mich wie jeden Sommer: Auf einmal gibt es überall Parkplätze, sogar in der Fürbringer. Seltsam.