UltimoEs geschah am 28. Februar. Meine Waschmaschine war schon an die zehn Jahre alt, als ich sie geschenkt bekam, und das ist genau so lang her. Ihr Zustand hatte sich mit der Zeit weiter verschlechtert, der Keilriemen war so ausgeleiert, dass ich die Trommel nur noch halbvoll machen konnte und schleudern musste ich oft genug in zwei Durchgängen. Dabei machte sie einen ohrenbetäubenden Krach und ich hatte den Eindruck, als würde eine metallene Stange im Inneren der Maschine rhythmisch gegen die Trommel schlagen. Keine Ahnung, wie ich darauf komme, aber so war das eben. Klackklack, klackklackklack.
Der 28. Februar war ein Samstag. Zum zweiten Morgenkaffee hatte ich die Maschine angeworfen und sie trommelte träge vor sich hin. In der Mitte des 40-Grad-Programms gibt es einen Schleudergang, und ich habe es mir längst zur Gewohnheit gemacht, die Küche zu verlassen, wenn der losgeht. Zu groß die Angst, von der Metallstange getroffen zu werden, wenn sie die Trommel durchschlägt, durch das Bullauge schießt und mir den Schädel spaltet. Die Maschine schleudert und ich beobachte sie von der Tür aus. Es kracht noch stärker als sonst und ich gehe vorsichtshalber von der Tür weg. Ich blicke hinunter auf die Straße. Der Winter will und will nicht zuende gehen. Alles ist nass, kalt und halb tot.
Eine halbe Stunde später ist das Maschinchen fast durch. Fehlt noch der letzte Schleudergang. Der Motor zögert kurz, dann geht es los. Die Trommel hämmert und poltert wie verrückt und ich verstecke mich wieder hinter der Tür. Zwei Minuten noch, das weiß ich aus Erfahrung. Es knallt kurz und hart und ich weiß genau, was passiert ist. Die Trommel wird mit eiserner Wucht gebremst und ich höre, wie im Flur die Sicherung kommt. Nun ist alles still.
Nach einer Minute ertönt das leise Klicken, die Tür ist nun entsperrt und ich kann die Wäsche herausnehmen. Meine schwarzen Lieblingssocken sind zerrissen, aber sonst ist nichts passiert. Eine eiserne Stange ragt etwa fünf Zentimeter weit in die Trommelwand.
Eigentlich kann ich mich nicht beklagen. Wenn ein Gerät in meinem Haushalt diszipliniert genug ist, am Monatsletzten beim letzten Arbeitsgang Schluss zu machen und mir dabei nicht einmal den Schädel spaltet, ist das doch Grund zur Freude.
Damit nicht genug: Noch am selben Tag kaufe ich eine neue Maschine, und als die ein paar Tage später geliefert wird, bin ich der glücklichste Mensch auf Erden. Ich wasche und wasche.
Und keine Angst mehr vor der eisernen Stange.April 2009