Willy, Otto und all die anderen
Seppo Kyrvilä hat einen Vorschlag zu machen

In Berlin wird mal wieder diskutiert. Kontrovers natürlich. Was dem alten Griechen seine Agora, der Marktplatz war, ist dem zeitgenössischen Berliner seine »BZ«, das Revolverblatt von Gunnar Schupelius oder so ähnlich - ein Ort öffentlichen Diskurses.
Aktuell geht es um die Fliegerei. Zwar verreist der Berliner nicht gerne, oder zumindest mangels Geldes nicht oft. Doch Besucher aus aller Welt kommen in großer Zahl und müssen die Stadt, das liegt in der Natur des Tourismus, auch wieder verlassen. Viele davon mit dem Flugzeug, und das geht nun einmal nicht ohne Flughäfen.
Flugplätze spielen in der Berliner Geschichte keine unbedeutende Rolle. Ohne die Luftbrücke wäre Westberlin, die Insel der Freiheit, im Meer des Bolschewismus versunken. Ich bin Finne, ich darf so etwas schreiben.
Doch das ist nunmehr fast sechzig Jahre her, die Zeiten haben sich gründlich geändert. Kurzum, die derzeit vorhandenen Flughäfen reichen nicht mehr aus. Der Ausbau jenes in Schönefeld war nicht besonders umstritten. Dass der stadtnahe Flughafen in Tempelhof dicht gemacht wird schon eher, doch da läuft schon ein  Bürgerbegehren, dem ich nicht vorgreifen will.
Der neue Flughafen am südlichen Stadtrand jedenfalls hieß bisher, ich erwähnte es, Schönefeld. Super Name eigentlich, kann zwar kein Amerikaner unfallfrei aussprechen, klingt aber in keinem Falle wie Tempelhof oder Tegel. Doch das wäre zu einfach. Irgendein Flachkopf ist auf den Gedanken gekommen, dass das Ding einen anderen Namen braucht, nach einer bedeutenden Persönlichkeit benannt werden sollte, damit wir nicht hinter New York (John F. Kennedy), Paris (Charles de Gaulle) oder, igitt, München (Franz Josef Strauss) zurückstehen.
Als erster Name wurde Willy in die Diskussion respektive die »BZ« geworfen. Guter Mann, leider ein Roter, ganz schlecht. Doch flugs schlugen diverse Alternativvorschläge ein: Liberale bemühten Gustav Stresemann, Konservative brachten den Grafen Stauffenberg und Durchgeknallte die Filmdiva Marlene Dietrich ins Gespräch. Absurder war nur der Vorschlag, den Flughafen nach Otto Lilienthal zu benennen. Denn dies ist vor Jahren, wenn auch weitgehend unbemerkt, in Tegel geschehen. Und zwei Flughäfen mit dem gleichen Namen wäre selbst für Berlin zu absurd.
Ich fasse zusammen. Die namensgebende Person muss nach deutschem Recht bereits tot sein, muss über den Parteien stehen und einen positiven Bezug zu Berlin und seinen Bewohnern und umgekehrt haben. Daher mein Vorschlag: »Berlin-Brandenburg International Airport ‚Harald Juhnke‘«.

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