Über den Wolkeni don't fuck much with the past
but i fuck plenty with the future
p. smithIch denke nicht viel an früher. In der Kneipe sitzen und nichts machen als ein paar Biere trinken ist mir lieber. Den Barleuten bei der Arbeit zusehen. Gäste kommen und gehen gucken. Manchmal kenne ich wen und dann wird träge genickt oder gar gewunken. Paar Worte wechseln vielleicht, aber bloß nicht zuviel reden. "Kunstlos schweigen" nenne ich das. Und alle Welt denkt, ich schreibe im Kopf einen Roman oder bereite die Weltrevolution vor. Was in der Art, und zwar zwingend dramatisch.
Vielleicht denken die Leute stattdessen, ich wäre nicht ganz dicht, aber auch das sollte mir recht sein. Was am Kopf haben liegt im Trend, das hat Zukunft.
Wer nicht viel an früher denkt, bekommt es schnell mit der Gegenwart zu tun. Ich bereite also die nächste Bierbestellung vor. Das ist am Schwierigsten, wenn die Kneipe so gut wie leer ist. Der Barmann hat nichts zu tun, hört Musik, die nur ihm gefällt und spricht mit einer Frau. Ich sehe seinen Rücken knapp zehn Meter weit weg. Ich möchte nicht das leere Glas nach ihm werfen, also rufe ich "Hallo!". Nichts. Zu leise. Nochmal. Nun hat die Frau gesehen, dass ich die Lippen bewegt habe, gibt aber ihre Beobachtung nicht weiter. Wahrscheinlich eine Kollegin.
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Ich erhebe mich müde, setze den Hut auf und geselle mich zu den beiden jungen Menschen. Der Barmann ruft erschrocken: "Oh, Sie wollten zahlen!" - Genau, du Rotznase, so machen wir es. Sauber ausgesessen und am Ende recht behalten. So soll das sein.
Die Tür fällt hinter mir ins Schloss und ich muss diese wirklich üble Musik nicht mehr hören. Da vorn die Yorckstraße. Paar Leute wollen demnächst den Mittelstreifen säubern und danach heißt sie "Boulevard der Dämmerung". Aber vorher muss in den Kneipen ringsum ordentlich getrunken werden, sonst glaubt das kein Mensch.Oktober 2008