Und die Worte schießen dahin

Vor vier Jahren habe ich meinen ersten Schindler geschrieben. Er hieß "Grenzerfahrungen am unbunten Rand" und es ging um das Verkehrschaos zum Karneval der Kulturen. Kein Grund zum Feiern, aber da es sich darüber hinaus heute um den fünfzigsten Text in Reihe handelt, feiere ich ausgelassen wie ein junger Hund die erste Wurst.
Ich überlege, worüber bei einer so guten Gelegenheit zu schreiben wäre. Sicher, ich könnte nochmal was über den Karneval machen, schließlich ist schon wieder Pfingsten und das Thema groß genug. Allerdings sitze ich gerade am Landwehrkanal und beobachte ein paar Schwäne - und das ist mir viel lieber als das Getöse ein paar Straßen weiter.
Andererseits gibt es wichtigere Jubiläen, die hier zu würdigen wären. Die Bundesrepublik wurde neulich 60, und Anfang November wird die unvergessliche Pressekonferenz des Günter Schabowski zu feiern sein, in der er über das zukünftige Reiseverhalten seiner Landsleute vortrug. 20 Jahre ist das her und hatte ein ziemlich teures Durcheinander zur Folge. Und all die Einzelschicksale.
Keine Ahnung, warum Schwäne so lange Hälse haben. Vielleicht konnten sie das gegen die allzeit vernünftige Evolution durchpeitschen, weil sie zu faul zum Tauchen sind. Ich weiß es nicht. Meine Schwäne schwimmen davon in Richtung Admiralbrücke und ich habe nichts mehr zu tun.

Zehn Stunden später liege ich auf vier Stühle verteilt in einer Gaststätte, drei Minuten vom Kanal entfernt. Jemand hat "Highway To Hell" gedrückt, und ich bin sicher, dass der Fußboden leicht schräg ist. Zum Glück haben die Stühle keine Rollen, sonst würde ich gleich nach zügiger Fahrt gegen die Frauenklotür prallen. Die vielen Leute würden mir schon Platz machen.
Nein, auch darüber werde ich nicht schreiben. Nicht über den Zustand der Radwege, nicht über das Wetter. Über gar nichts.
Fünfzig Schindlers! Herzlichen Glückwunsch, Friedrich, kannst dich doch einfach mal freuen!

Juni 2009

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